bewegtes nach-innen-gehen
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INDIGENO ni l'un ni l'autre

Ethnofiktive Geschichten

Im letzten Kapitel besteht der Einheimische darauf, die Geschichten nur mündlich zu überliefern.



Das Wort „indigen“ setzt sich aus dem Lateinischen indi und genus zusammen, was direkt als „eingeboren“ zu übersetzen wäre. Um das kleine 's' wird bis heute gestritten. Also die Frage, ob es indigenous peoples (Völker) oder nur indigenous people (Menschen) gibt. Das hat uns veranlasst, den Spuren eines konkreten Menschen, der als Europäer nicht mehr als Einheimischer definiert werden kann, zu folgen.

..... Europas nacheiszeitliche Geschichte ist geprägt durch eine Bevölkerungsvermischung auf engstem Raum. Kulturen, Nationen und Kriege sind geballt. Indigene Bevölkerungen sind verschwunden. Doch überall ist Heimat so nah, so genormt, so präsent und letztendlich so verpönt. Wie einheimisch oder verwurzelt fühlen Sie sich?

..... Endlich gelingt es dem Ethnologinnen Team, folgenden Brief ausfindig zu machen, den Indigeno im George Orwell Jahr 1984 an den französischen Staatspräsidenten geschrieben hat, das französische Original soll vermutlich in den Kellern des Louvre liegen:

Monsieur le Président

Ein nuklearer Supergau in Cattenom direkt an der Grenze unseres Stammesgebietes, bereitet uns schlaflose Nächte. Unsere Landschaft wäre über viele Generationen nicht mehr bewohnbar. Eine Entschädigung für unsere bescheidenen Hütten scheint uns bei Ihrer derzeitigen wirtschaftlichen Lage ungewiss. Hinzu kommt, dass unsere bene luxe Stammesvereinigung nicht mehr zuständig ist. Man hat uns schlicht vergessen zwischen den großen französisch- und deutschsprechenden Völkern. Deswegen möchte ich im Namen der Ureinwohnerinnen und Ureinwohner von Ihnen erfahren, welches Département Ihres schönen Landes Sie als Reservat für uns vorgesehen haben? Denn damit müssen wir uns früher oder später abfinden. Diese uns zugewiesene Landschaft möchte ich gerne wandernd in Augenschein nehmen. Für den Transfert unserer Ahninnen und Ahnen aus unserem Homeland ist bei uns leider kein Ritual vorgesehen. Ihre von uns sehr geschätzten Ethnologinnen und Ethnologen könnten uns im Vorfeld sehr behilflich sein. Im Gegenzug würden wir den Boykott französischer Produkte auflösen. Viele von uns kaufen kein französisches Automobil. Ihr Wein und Ihr Käse schmecken jedoch vorzüglich, so dass der wirtschaftliche Schaden Sie hoffentlich nicht allzu sehr verstimmt.

Auf eine gute Nachbarschaft in Ihrem Land, Indigeno

Die Antwort aus dem französischen Außenministerium:

“Wir bestätigen die Ankunft Ihres Schreibens. Rechnen Sie bei der derzeitigen Halbwertszeit mit einer Antwort in 743 Jahren!”



Dada lässt grüssen!

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